Stadtteilerneuerung: Was ist das?

Vor der Sanierung

Auch an der Kreisstadt Bergheim ist ein Phänomen der 60er und 70er Jahre nicht spurlos vorüber gegangen: seinerzeit glaubten Architekten und Stadtplaner, mit einer hochverdichteten Wohnbebauung die städtebaulichen Probleme der damaligen Zeit lösen zu können. Jedoch brachten diese Siedlungen mehr Probleme als Lösungen sowohl baulich als auch sozial mit sich. So auch in Bergheim Süd-West.

In einer gemeinsamen Aktion haben Stadt und Land NRW daher beschlossen, aktiv einzugreifen, statt nur zuzuschauen. So ist für das Gebiet Bergheim Süd-West (Teile von Kenten und Zieverich) das integrierte Handlungskonzept als Maßnahmenkatalog entwickelt worden, das seit 2002 vom Land NRW, dem Bund und seit neuestem auch von der EU gefördert wird. D.h. bis 2008 bekam die Stadt Bergheim für alle Projekte im Programm "Soziale Stadt" vom Land 80% Förderung, ab 2008 sind das nur noch 70 %.

... und nachher!

Bereits im Jahr 2000, nach rd. 35 Jahren, haben wir erkannt, dass uns diese hochverdichtete Bauweise mit ihren Wohntürmen und Wohnparks massive bauliche, energetische und zumeist auch soziale Probleme beschert hat.

Gebietscharakter und Ausgangslage

Die Kreisstadt Bergheim, Mittelzentrum mit rd. 63.500 Einwohnern, liegt im Städtedreieck von Köln, Düsseldorf und Aachen im nördlichen Erftkreis.

 

Das Programmgebiet Bergheim Süd-West besteht aus Teilen der Stadtteile Zieverich und Kenten. Beide Teilbereiche entstanden Ende der 60er/ Anfang der 70er Jahre als Großwohnsiedlung um möglichst viele Einwohner unterbringen zu können. Hochhäuser und Wohnparks mit Einfamilienhäusern in den Randlagen kennzeichnen die städtebauliche Struktur. Das Besondere in Bergheim ist, dass rd. 1.000 der insgesamt 1.300 Wohneinheiten in den Großwohnungsanlagen Eigentumswohnungen sind und als "Mustersiedlung" mit besonderer Ausstattung wie Schwimmbad, Kegelbahn, Partyräumen an den „kleinen Mann" gebracht wurden. Der Wohnungsbestand entwickelte sich mehr und mehr zu einer reinen Kapitalanlage - Investitionen blieben schließlich aus. Mieter, die es sich leisten konnten, zogen weg. Entsprechende sozial und ökonomisch benachteiligte Bevölkerungsgruppen kamen hinzu.


Die Ausgangslage im Jahr 2001 war gekennzeichnet durch:


• eine Konzentration von Familien mit hohen sozialen Belastungen,
• hohe Mietnebenkosten (2. Miete),
• Wohnungsleerstand in kritischem Ausmaß und/oder
• Unterbringung von Saisonarbeitern (Tagebau der RWE) und Überbelegung der   Wohnungen,
• hoher Investitionsstau bei Modernisierungen,
• fehlende Aufenthaltsqualität des öffentlichen Raumes
• wenige Freizeitangebote und Begegnungsmöglichkeiten für alle Altersgruppen,
• negatives Image
• schlechter Zugang zu Arbeits- und Ausbildungsplätzen
• soziale und familiäre Konflikte im Stadtteil (hoher Anteil bei Anzeigen im Delikt körperliche Gewalt).
• Leerstand von zahlreichen Ladenlokalen in den Hochhauszeilen